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Sonstige Infos

Ein kleiner Geschichtsunterricht für Alle die nur Boccia kennen.  

Es gibt weltweit drei verbreitete Kugelspiele, die in ihren eigenen nationalen und internationalen Verbänden als Wettkampfsport, mit eigenen Meisterschaften und Ligen betrieben werden. Diese drei Kugelsportarten verbindet bis heute noch die grundlegende Spielidee. Ziel ist es eine oder mehrere Kugeln näher an ein Ziel zu platzieren, als es dem Gegner möglich ist. Unterschiedlich sind die Regeln, die Spielfeldabmessungen und die Materialien, sowie Gewichte und Größe der Kugeln.

Der Begriff „Boule“ kommt aus dem französischen und bedeutet nichts anderes als „Kugel“. Ähnlich ist es mit dem Ausdruck „Boccia“, welcher auf Italienisch ebenso etwas Kugelförmiges beschreibt. Die beiden Begriffe dienen oft als Überbegriff für Kugelsportarten.

Aber was sind das für drei Kugelsportarten und welche wird denn jetzt in Rödental gespielt?

Fangen wir doch mit der Kugelsportart an, die in Deutschland am wenigsten verbreitet ist … und zwar Boule Lyonnaise. Diese Version des Kugelsportes scheint die Urform der Boulespiele zu sein. Es ist wahrscheinlich nicht so populär, weil ein großer, besonders präparierter Spieluntergrund benötigt wird. Man spielte zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Holzkugeln. Ab 1923 wurden die Kugeln aus einer Bronze-Aluminium-Legierung hergestellt, heute sind sie hauptsächlich aus Stahl. Ihr Durchmesser muss zwischen 9 und 11 cm liegen, und sie müssen ein Gewicht zwischen 900 und 1400 g aufweisen. Die Zielkugel muss innerhalb einer Zone zwischen 12,5 und 19,5 m zum Liegen kommen. Für die Ausführung des Wurfes hat der Spieler 7 m zur Verfügung, in denen er Anlauf nehmen kann.

In Italien entwickelte sich eine weitere Version was als „Boccia“ bekannt geworden ist. In der Wettkampfvariante auch Raffa genannt. Gespielt wird auf 4,50 m breiten und 28 m langen, speziell präparierten Plätzen. Die Kugeln sind aus Holz oder Kunststoff und haben unterschiedliche Farben, um sie auseinanderhalten zu können. Im Jahre 1898 wurde in Turin der erste Boccia-Verband gegründet. Bekannt wurde das „Boccia“ in Deutschland durch den ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer, welcher in seinem Italien-Urlaub beim Boccia spielen im Fernsehen gezeigt wurde. Raffa ist mit seinen 15 bis 20 Vereinen in ganz Deutschland zwar bekannter als Boule Lyonnaise, aber es gibt da noch die Dritte und noch bekanntere Kugelsportart.

Das Pétanque, was umgangssprachlich auch Boule genannt wird, entstand im Jahre 1910 in Frankreich und ist auch die Form, welche jetzt in Rödental gespielt wird. Da das Spielfeld keinen strengen Regeln unterzogen wurde, eröffneten sich große Möglichkeiten, dieses Spiel auszuüben. Man konnte es auf dem Platz vor der Kirche, in den Parks oder auf ungepflasterten Dorfstraßen spielen. Im Jahr 1943 wurde der Pétanque-Verband, die Fédération Francaise de la Pétanque et du Jeu Provencal (F.F.P.J.P.) gegründet, dem in der Zwischenzeit bereits über eine halbe Million Mitglieder angehören. In den 80er Jahren folgte dann auch der Deutsche Pétanque-Verband.  Aktuell sind es hier zu Lande nur 25.000 Mitglieder, aber es werden von Woche zu Woche mehr.

Diese drei Kugelsportarten haben sich auch beim Internationalen Olympischen Komitee als neue Sportart für Olympia 2024 beworben. In Anbetracht dessen das die Olympischen Spiele 2024 in Paris ausgetragen werden, ist es durchaus wahrscheinlich das die dortige Nationalsportart eine Chance bekommen wird.  

 

Die Zielkugel (auch genannt Cochonnet, Schweinchen, Sau oder Wutz)

Die kleine Holzkugel die zu beginn jeder Runde zuerst ausgeworfen wird, hat zugegeben einen recht witzigen Namen. Die heutige, oft in auffälligen Farben lackierte Holzkugel, mit einem Durchmesser von 30 mm, soll zu den Anfangszeiten des Pétanque-Sportes noch aus Schweineknochen bestanden haben. Daher kommt auch der Name Cochonnet was übersetzt Schweinchen bedeutet.

 

Die Boule (Spielkugel)

Was damals mit einem Holzkern begann, der mit Nägeln beschlagen wurde, ist heute eine runde Sache aus Stahl, mit vielen Raffinessen. Die Kugel muss dem Regelwerk nach, ein Durchmesser von 70,5 bis 80 Millimeter und ein Gewicht zwischen 650 und 800 Gramm haben. Der Körper der Kugel ist im inneren hohl und darf nicht mit Blei oder Sand gefüllt sein. Dies lässt die billigen Freizeitkugeln bei Wettkämpfen schon mal ausscheiden, da Diese oft mit Sand gefüllt werden, um das Gewicht des fehlenden Metalls wieder auszugleichen.

Bei den sogenannten Wettkampfkugeln geht es dann ins Detail. Jede Kugel hat zumindest die Gemeinsamkeit das auf Ihnen der Hersteller, der Typ, das Gewicht und eine Seriennummer eingraviert sein muss. Alle anderen Details kann sich der Spieler auf seine persönlichen Bedürfnisse selbst anpassen. 

Der richtige Durchmesser

Das wichtigste Kriterium für die Kugelwahl ist der Durchmesser. Denn Dieser ist entscheidet ob die Kugel richtig in der Hand liegt oder nicht. Dazu wird die Distanz zwischen der Spitze des Mittelfingers und des unteren Daumenansatz gemessen. (Siehe Grafik)

Mittels der gemessenen Handlänge und der folgenden Tabelle könnt ihr jetzt den benötigten Kugeldurchmesser ermitteln.

Die Achse von 0-25 kennzeichnet die Handlänge in Centimeter. Die andere Achse D70-D80 entspricht dem empfohlenen Kugeldurchmesser. Einsteigern empfehlen wir sich am Durchmesser des Pointeur zu orientieren.

Das richtige Gewicht

Berücksichtigen Sie dabei möglichst objektiv Ihr Spiel-/Leistungsvermögen, Ihre bevorzugte Spielposition und ob Sie hinreichend motiviert sind, Ihre Boulespielkarriere auszubauen. Es gibt eine grobe Faustregel zu den Kugelgewichten.

D70 = 650 bis 680g
D71 = 650 bis 690g
D72 = 660 bis 700g
D73 = 670 bis 710g
D74 = 680 bis 720g
D75 = 690 bis 730g
D76 = 700 bis 740g
D77 = 710 bis 750g
D78 = 720 bis 760g
D79 = 730 bis 750g
D80 = 740 bis 760g

Grundlegend gelten für leichtere Kugel… (im Umkehrschluss für schwerere Kugeln)

  • ...„verspringt“ öfters, wegen der geringen Masse
  • ...kann beim Werfen besser ausbalanciert werden
  • ...rollt schlechter geradeaus, da sie leichter von ihrer Laufbahn abzubringen ist.
  • ...ist über eine weite Distanz leichter zu werfen. 

Beachten Sie bei der Wahl eher den Ratschlag eines erfahrenen Mitspielers, als den das Verkäufers.

Karbonstahl oder Edelstahl

Wir unterscheiden hierbei auch zwischen, den rostenden Stahlrundlingen (Karbonstahl) und den nicht rostenden Edelstahlbällen.

Für die meisten Amateure des Pétanque, ist wahrscheinlich die annähernd gleiche Oberfläche der Edelstahlrundlinge von größter Bedeutung. Andere besonders ältere Profis, schimpfen auf die Erfindungen der Jetztzeit und schwören auf das gute alte Eisen, dem man seine Schlachten auf den Boule-Feldern ansieht.

Fakt ist, das die vermeidlich teureren Edelstahlkugeln eine längere Lebenserwartung haben wie die Karbonstahlkugeln. Dafür bieten die Karbonstahlkugeln durch die leichte Rostbildung besser Grip. Es ist also eine reine Geschmacksache, für was man sich entscheidet. Funktionieren tun beide gleichermaßen.

Härtegrad der Kugel

Über den Härtegrad der Kugel wird viel gestritten. Grundlegend, je weicher die Kugel, umso geringer ist der Reboundeffekt (Rückprall) und umso geringer die Lebensdauer der Kugel. Dennoch schwören viele Schießer (Tireure) auf ihre verbellten Eisen und sind davon überzeugt, das weichere Kugeln zum Schießen besser geeignet sind. Physikalisch gesehen liegt man mit der Behauptung auch völlig richtig, doch die bessere Kugel ist immer noch Die mit der man auch trifft.

Riffelung, Muster oder glatte Kugel

Überwiegend sieht man nur glatte Kugeln auf den Spielfeldern. Doch gerade der Leger (Pointeur) sollte sich über die Bedeutung einer Riffelung bewusst sein. Zum einen dient Sie der Griffigkeit, die erforderlich ist, wenn man der Kugel beim Legen einen gewissen drall mitgeben möchte und zum anderen führen die Rillen, Muster oder Noppen bei gewissen Untergründen dazu, das sich die Kugel verkantet, wo glatte Kugeln einfach weiterlaufen. (Besonders bei Spielfeldern mit Gefälle)